Chronik von Seegalendorf im Kreis Ostholstein
Im 15. Jahrhundert werden unweit der Stadt Oldenburg zwei Dörfer genannt ,Alt-und Neu-Galendorf .Letzteres gehört anscheinend eine Zeitlang zum adeligen Gute Satjewitz ,wohl aber seit dem Ende des 16.Jahrhunderts zu dem adeligen Gute Putlos .Um diese Zeit scheint auch das Dorf niedergelegt und aus ihm ein Meierhof gebildet worden zu sein .Auch der Name wurde geändert ,da Neu-Galendorf an einem der wenigen Seen des Landes Oldenburg liegt ,heißt es von jetzt an Seegalendorf .Im Jahre 1854 wurde der See der unmittelbar an die heutige Hofanlage stieß ,trockengelegt und in ein fruchtbares Wiesenthal verwandelt .Heute wird hier die umfangreiche Shetland-Pony-Zucht des Gutes betrieben .(Bekannt durch die Filme-Immenhof.)
Hans Rantzau †1744 ,ist der letzte Besitzer , dem Putlos gemeinsam mit Seegalendorf gehört .Er verkaufte im Jahre 1720 Putlos ,erst von hier ab beginnt die eigene Geschichte von Seegalendorf .Es ist zunächst ein sehr umfangreicher Besitz ,außer dem Haupthof Seegalendorf selber gehört dazu das Nebengut Bakendorf ,das gleichfalls die Gerechtsame eines adeligen Gutes besitzt ,ferner der Meierhof Friedrichsthal ,die Seegalendorfer Mühle ,das Dorf Jahnhof und viele weitere Einzelstellen .
Hans Rantzau war Landrats in den beiden Herzogtümern ,Amtmann von Segeberg ,Conferenzrath ,Großkeuz von Dannebrog und geheimer Rath .Seine Nachkommen gingen erst nach Mecklenburg später nach Württemberg .
Nur auf seinem Gute Seegalendorf scheint er sich keinen guten Namen gemacht zu haben .Wie auf dem ostholsteinischen Gütern üblich ,gab es auch in Seegalendorf die Burgstube ,wohl im Torhaus untergebracht ,in der sich die Arbeiter zur Arbeitsausgabe zu sammeln pflegten .Hier standen eines morgens mit Kreide angeschrieben die Verse :
"Sures Beer ,verschimmelt Brot ,
de Düwel schlag Hans Rantzau dod
un gev uns beter Beer und beter Brot".
Alle Nachforschungen blieben ergebnislos ,auch wusste man ,dass das keiner der Leibeigen lesen und schreiben konnte .Daher gab man dem Bösen die Schuld und beschloss ,an der selben Stelle als Antwort zu schreiben :
"Büst du en goden Mann ,so nenn di" ,
worauf nach Verlauf einiger Nächte an der Tür zu lesen war:
"Dat lat ick sin ,
Hans Rantzau ,ick kenn di".
Erst später stellte sich heraus ,dass ein zugelaufener und dann wieder entlaufender Dienstjunge der Täter gewesen war ,von dem die Gutsleute erzählten ,er habe zu Zeiten ihnen unverständliche Kritzeleien mit Kreide gemacht .
Nach Hans Rantzaus Tode gingen die Güter über auf seinen Sohn Friedrich Rantzau †1780 ,der aber den Besitz schon zwei Jahre später verkaufte und Amtmann in Trondhjem in Norwegen wurde .Käufer war der Kammerherr Detlef Christian v.Rumohr †1764 ,der schon die Güter Östergaard und Fahrenstedt in Angeln besaß und auf seiner Pachtung Mohrkirchen lebte .Auf Seegalendorf scheint er nicht gewohnt zu haben .
Von seinen vierzehn Kindern wurde er beerbt zunächst von dem ältesten Sohne Friedrich v. Ruhmohr , der außer Seegalendorf noch die adligen Güter Krieseby in Schwansen und Sehestedt im Dänischen Wohld besaß .Er war Jurist geworden ,wurde Justizrat ,später Landrat und Obergerichtsrat auf Schloss Gottorp und zog ,als er seinen Abschied nahm , nach Krieseby .Er dürfte der Erbauer der ältern Gebäude auf Seegalendorf sein .Im Gutsarchiv sind Grundrisse und Bauentwürfe für das Herrenhaus erhalten ,die nach einer Jahreszahl-Angabe von alter Hand mit 1780 datiert sind .Einer dieser Entwürfe ist augenscheinlich ausgeführt worden .Das Hauptgebäude erstreckte sich quer über die ganze Breite des Hofes als sehr langer ,einstöckiger Fachwerkbau mit zwei aufgesetzten Giebeln ,zur Rechten und zur Linken zum Hofe hin von zwei Kavarlierflügeln eingerahmt .Diese beiden Flügel sind nicht aus Fachwerk ,sondern aus festem Mauerwerk errichtet mit roten Backsteinen in ganz einfachen ,aber schönen Formen und abgedeckt mit einem großen Walmdach über dem kräftigen gemauerten Gesims .Der östliche Flügel enthält den herrschaftlichen Pferdestall und Wagenrimise ,der westliche diente früher für Wohnungen und Wirtschaftsräume ,aber steht jetzt leer da .
Die beiden Flügelbauten stehen noch heute, der Mittelbau ist 1839 abgebrochen worden und an seiner Stelle, etwas weiter zurückliegend, das jetzige große Herrenhaus erbaut. Dieses Gebäude, das vor allem aus größerer Entfernung vorzüglich wirkt, nimmt sich sehr stattlich aus, aber ist in sehr einfachen und knappen spätklassizistischen Formen errichtet worden .Es enthält zwei Stockwerke über einer hohen Kelleretage, mit einem Sockel aus großen Quadern, weis geputzt und mit flachem Schieferdach. Das einzige belebende Moment ist das stattliche Portal der Hoffassade in Form von zwei halben kannelierten toskanischen Sandsteinsäulen, die eine Attica tragen, deren Unterseite von einem Määnderband geschmückt wird. Die Freitreppe ist sehr groß und führt in Breite von 3 Fach Fenster herauf zum Portal. Das Gebäude selber hat neun Achsen, von denen die äuserste zu jeder Seite etwas vorgerückt ist, um eine kleine Belebung in die Fassade hineinzubringen. Die Fenster des unteren Stockwerks sind wesentlich höher als die des oberen.
Der Wirtschaftshof wird eingenommen von zwei großen langen Gebäuden gen Osten und gen Westen .Der Stall auf der Westseite ist in seinen Grundmauern 1858 erneuert und 1879 umgebaut und erweitert worden .Die Scheune auf der Ostseite ist ein stattliches Fachwerkgebäude mit hohem ,strohgedecktem Dach. Der Nordflügel hat vorspringende Knaggen ,der Südgiebel ist in den 1830er Jahren in seinem Mauerwerk erneuert worden .Der gesamte Hof wird gen Norden durch das lange Torgebäude abgeschlossen ,über dessen Torfahrt sich ein Frontespice erhebt mit verhältnismäßig einfach geschwungenen Abdeckungen ,durch ein schweres Gesimsband in zwei Stockwerken aufgeteilt, die mit kleinen Pilastern geschmückt sind .Über dem Dachfirst erhebt sich eine offene Laterne, in deren Windflügeln die Buchstaben WB (das heißt Wilhelmine Beckmann) stehen. Das Torhaus ist auf einer Grundmauer von großen Quadern aufgetürmt, die auf der Nordseite hervortreten, wo das Gelände abfällt. Nach dem Hofe zu enthält das Torhaus sechs große Wagentore. Vermutlich ist das Torhaus gleichzeitig mit dem ursprünglichen Herrenhaus und den Kavalierhäusern entstanden, also um 1780.
Friedrich v. Rumohr verkaufte Seegalendorf im Jahre 1786 an Wilhelmine Schwerdtfeger für 73.000 Rthlr. Damit erscheint eine Frau auf unseren Gütern, deren Andenken bis heute nicht vergessen ist. Die Familie Schwerdtfeger stammt ursprünglich aus Niedersachsen. Der Vater Justus Hinrich Schwerdtfeger war Förster in den Diensten des Geheimen Conferenzraths Wulf Hinrich v. Thienen geworden und wohnte in Güldenstein. Ein Bruder seiner Frau, Gottlieb V. Borries, hatte sich ein großes Vermögen durch Teeplantagen in Surinam in Niederländisch-Guayana erworben, und dieses große Vermögen seiner Nichte Wilhelmine Schwerdtfeger vererbt. Das Vermögen wurde auf 1 Million 290.000 Holländische Gulden geschätzt, zu damaligen Zeiten eine ungeheure Summe. Wilhelmine Schwerdtfeger war eine Persönlichkeit von eminenter Tatkraft und stand von Jugend an zu dem Geheimen Conferenzrath v. Thienen in freundschaftlichen Beziehungen, die bis zu seinem Tode im Jahre 1809 fortbestanden haben. Außer Seegalendorf mit Bankendorf erwarb sie aus dem riesigen Besitz des Conferenzraths v. Thienen die adeligen Güter Wensin,Travenort und Müssen. Sie selber war nicht verheiratet, war aber dadurch in den Stand gesetzt, für die zahlreiche Verwandtschaft entsprechend zu sorgen. Soweit ihre Brüder und Neffen keine Güter erhalten konnten, wurden sie mit größeren Geldlegaten abgefunden.
Seegalendorf ging nach ihrem Tode im Jahre 1816 zunächst über auf ihren Bruder Ernst Wilhelm Schwerdtfeger,†1830, der außer Seegalendorf auch das unweit gelegenen adelige Gut Löhrstorf besaß. Ihm folgte sein Sohn Otto Friedrich Schwerdtfeger, †1875, diesem seine Tochter Wilhelmine Schwerdtfeger, †1904, die mit August Beckmann, †1884, verheiratet war. August Beckmann hatte vorher das Gut Karlsminde bei Eckernförde besessen. Das Ehepaar schritt zu einer Teilung des Besitzes, der ältere Sohn Robert Beckmann, †1948,erhielt Seegalendorf, der jüngere Otto Beckmann, †1904, Bankendorf und Jahnshof und Friedrichsthal. Aus dessen Ehe stammt eine Tochter Olga, die mit dem Gutsbesitzer Hans Paarmann auf Löhrstorf verheiratet war.
Robert Beckmann ist beerbt worden von seinem Sohne Fritz Beckmann, der der gegenwärtige Besitzer ist, es ist jedoch Vorsorge getroffen worden, daß das Gut Seegalendorf unter seinen beiden Söhnen in zwei Betriebe zu je 300 ha zerlegt wird. Heute umfasst das Gut insgesamt 600 ha, davon 470 ha Acker,70 ha Wiesen und Weiden,35 ha Wald und 25 ha sonstige Ländereien.
Eine besondere Eigenart der Güter im Lande Oldenburg ist die ,dass fast alle keinen Wald besitzen .Es ist daher schon vor Jahrhunderten ein erheblicher Waldanteil um Güldenstein herum vier Gütern im Lande Oldenburg beigelegt worden: Löhrstorf ,Satjewitz ,Seegalendorf und Gaarz .Die Großherzoge von Oldenburg die Besitzer von Güldenstein sind ,haben diese Waldanteile inzwischen sämtlich wieder an sich gezogen bis auf 20 ha ,die noch heute zu Seegalendorf gehören.
Auszug aus Jahrbuch Ostholstein.
An der Straße von Oldenburg nach Neukirchen beginnt kurz hinter Giddendorf eine Reihe altertümlicher Gutsarbeiterkaten .Sie umfassen jeweils zwei oder drei Wohnungen .Die Katen sind in größeren Abständen voneinander errichtet worden ,so daß jeder Kätner genügend Land für Gemüse und Obst zur Verfügung hatte. Sie bilden die sog. "Lange Reihe" und gehören noch heute teilweise zum Gut Seegalendorf ,auch wenn sie nicht mehr von Gutsarbeitern sondern zum größten Teil von " Hamburgern " bewohnt werden.
Von der Landstraße führt eine Lindenallee zum Gutshof. Rechts liegt die Schmiede ,links die ehemalige Meierei. Es folgt ein kleiner Teich ,der von allerlei Wasservögeln belebt wird .Wer hätte nicht seine Freude daran ,eine Entenfamilie durch das Wasser gleiten zu sehen ! Kurz darauf steht der Besucher vor dem Torhaus .Durch das Tor wird im Hintergrund das Herrenhaus sichtbar .Hat man das Tor durchschritten und blickt man zurück ,so sieht man durch die Toröffnung in die schattige Allee und hinüber zu den Feldern .Sicherlich haben auch die Menschen ,die diese Torhäuser einst erbaut haben ,ein Gefühl für die Schönheit dieser Aus- und Einblicke gehabt.
Wenn man mit Friedrich August Beckmann über die Vergangenheit sprach - er ist 1991 verstorben -, wurde vor allen die Erinnerung an die Pferdezucht lebendig .Friedrich August Beckmann hatte ein besonderes Hobby ,das gleichzeitig ein wichtiger Betriebszweig war .Er züchtete Pferde und Shetlandponys für Zirkusse und Tiergärten, und zwar "bunte Pferde" ,Schecken .Es gab wohl keinen Zirkus und keinen Tierpark in Europa ,der nicht in Seegalendorf Pferde gekauft hat .1500 Fohlen sind hier geboren und später verkauft worden .Umfangreiche Fotoalben dokumentieren die Seegalendorfer Pferdezucht .Friedrich August Beckmann wußte zu jedem Foto eine Geschichte zu erzählen .
Heute führen seine beiden Söhne Herwig und Robert Beckmann das Gut .